
Cyprumeds Tablettentechnologie erreicht klinische Entwicklung
Vom Standort Innsbruck in die klinische Entwicklung eines der weltweit größten Pharmakonzerne: Für das Tiroler Drug-Delivery-Unternehmen Cyprumed ist der Start einer Phase I-Studie mit einem Wirkstoffkandidaten von MSD ein wichtiger Entwicklungsschritt. Erstmals wird dabei ein mit Cyprumeds Technologie formulierter Wirkstoff am Menschen erprobt. Für das Unternehmen ist das zugleich ein Beleg dafür, dass die von ihm entwickelte Plattform den Sprung aus der technologischen Entwicklung in ein klinisches Entwicklungsprogramm geschafft hat.
MSD – in den USA und Kanada als Merck & Co. bekannt und mit Hauptsitz in Rahway, New Jersey – hat die Phase I-Studie mit einem eigenen Wirkstoffkandidaten gestartet, der unter Verwendung der von Cyprumed(Innsbruck, Österreich) lizenzierten Tablettentechnologie formuliert wurde. Mit Beginn der Studie wird eine Meilensteinzahlung an Cyprumed fällig. Zur Höhe dieser ersten Zahlung machte das Unternehmen keine Angaben.
Formulierungshilfe aus Tirol
Der Studienstart geht auf eine im April 2025 vereinbarte nicht-exklusive Lizenz- und Optionsvereinbarung zurück. Ziel der Kooperation ist es, orale Formulierungen von MSD-Peptiden mit Hilfe der Cyprumed-Technologie zu entwickeln. Insgesamt hat Cyprumed im Rahmen der Vereinbarung Anspruch auf bis zu 493 Mio. US-Dollar an Vorabzahlungen sowie Entwicklungs-, Zulassungs- und Nettoumsatzmeilensteinen für Produkte, die aus der Zusammenarbeit hervorgehen. Welche Meilensteinzahlung diesmal fällig wurde, ist nicht bekannt.
Im Mittelpunkt der Technologie steht eine der zentralen Herausforderungen bei Peptidmedikamenten: Wirkstoffe dieser Klasse lassen sich aufgrund ihrer Eigenschaften vielfach nicht ohne weiteres als Tablette verabreichen. Der menschliche Stoffwechsel nimmt ein eiweißartiges Molekül eher als „Snack zwischendurch“ wahr. Cyprumed entwickelt deshalb Tablettenformulierungen, die eine hohe orale Bioverfügbarkeit ermöglichen sollen. Ziel ist eine verlässlichere Wirkstoffversorgung und damit mehr Flexibilität bei der Einnahme.
Für Cyprumed ist die nun gestartete Studie deshalb mehr als ein weiterer Entwicklungsschritt eines einzelnen Programms. Sie bringt die eigene Technologie erstmals in die klinische Erprobung und damit in einen Bereich, in dem sich zeigen muss, ob die im Labor und in der präklinischen Entwicklung erarbeiteten Eigenschaften auch beim Menschen tragen. Cyprumed setzt dabei auf Tablettenformulierungen mit bereits charakterisierten pharmazeutischen Hilfsstoffen. Nach Unternehmensangaben soll die Plattform nicht nur eine hohe orale Bioverfügbarkeit ermöglichen, sondern auch skalierbare und industriell umsetzbare Herstellungsprozesse unterstützen. Das Unternehmen sieht darin Vorteile für die spätere pharmazeutische und klinische Entwicklung.
Spekulationen über den Wirkstoff
Dass der erste klinische Einsatz über eine Zusammenarbeit mit MSD erfolgt, verleiht dem Schritt zusätzliches Gewicht. Aus einem auf Drug Delivery spezialisierten Unternehmen wird damit ein Technologiepartner in einem klinischen Entwicklungsprogramm eines globalen Pharmakonzerns. Cyprumed konzentriert sich auf orale Darreichungsformen für therapeutische Peptide, darunter GLP-1-Analoga, makrozyklische Verbindungen und Miniproteine. Wenn auch MSD selbst keine Angaben über den mit der Cyprumed-Technologie verpackten Wirkstoff macht, könnte man einigermaßen plausibel spekulieren, dass es sich vermutlich um ein orales GLP-1-Präparat handeln dürfte. Dort ist die US-Merck spät in das Wettrennen eingestiegen, hat kürzlich in China einen Wirkstoff in einem Milliardendeal eingekauft und positioniert eine eigenen Wirkstoffentwicklung in diesem Bereich als einen Ansatz der 2. oder 3. Generation.
Für die kleine Biotech-Community in Innsbruck ist der Eintritt in die klinische Entwicklung ein beachtenswerter Erfolg. Schon lange versucht die Tiroler Landeshauptstadt, abseits des Images als Wintersportort oder Durchgangsort der Brennerroute in die Köpfe internationaler Talente zu gelangen. Speziell in den Ausbildungssektor, die Unterstützung für Gründer, aber auch in den Ausbau der Uniklinik Innsbruck wurden in den vergangenen Jahren viele Millionen investiert. Nun führt von dort ein anderer Weg über die Alpen hinaus – über eine Technologieplattform für die orale Wirkstoffabgabe bis in ein klinisches Entwicklungsprogramm von MSD.

Thomas Lohnes / Sanofi
Samsung Biologics
Boehringer Ingelheim